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Ressort Management

DER BUND, Ausgabe-Nr. 214, 14.09.2001, Ressort Management

mmw. «Ich erfasse den Bereich, in dem die Menschen sonst schweigen», sagt Nico Rubeli-Guthauser. Seit drei Jahren suchen Mitarbeitende des Chemiekonzerns Novartis den ausgebildeten Theologen und erfahrenen Seelsorger auf, um unabhängige Beratung zu erhalten. Wie viele Personen dieses Angebot beanspruchen, will Rubeli nicht sagen, die Nachfrage muss aber gross sein, hat doch Novartis die anfänglich auf ein Jahr angelegte Zusammenarbeit verlängert. «Zu mir kommen die Menschen auch mit Schamhaftem wie Suchtproblemen und Suizidabsichten, während sie im Betrieb oft still ihr Leid ertragen und sich bemühen, ja keine Schwäche zu zeigen», sagt Rubeli. Beim Gespräch mit internen Stellen wüssten viele nicht, was als Notiz in der Personalakte vermerkt werde. Rubeli, der seine Beratung «in-tego» als anonyme, siebenmal 24 Stunden erreichbare Anlaufstelle bezeichnet, arbeitet eng mit erfahrenen Fachpersonen wie Hausärzten, Psychologen und Anwälten zusammen. 

Krisenintervention durch Externe ist bei amerikanischen, britischen und neuseeländischen Firmen laut Rubeli unter dem Begriff «Employee Assistance Program» schon seit den Siebzigerjahren verbreitet. In der Schweiz ging die Personalstelle der Novartis 1998 mit gutem Beispiel voran, andere international tätige Unternehmen folgen allmählich. Heinz Boller, Leiter Novartis Schweiz, bezeichnet Rubelis Arbeit als «wertvolles externes Ergänzungsangebot für all diejenigen, die mit dem zunehmend rascheren Tempo von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen Mühe haben». 

Rubeli selbst legt Wert auf die Feststellung, dass er durch seine Arbeit und Rückmeldungen nicht selten strukturelle Veränderungen bewirkt:«Oft ist es ein Einzelfall, der eine Firma verändert.»